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Lobo verreißt die Google Debatte endgültig

Der parteinahe sogenannte Internetexperte und zum einen der peinlichsten Berliner gewählte Sascha Lobo hat als lustiger bunter Auftrags-Internet-Clown die ARD-Zuschauer belustigen dürfen.

Dieser ist es ja bereits gewohnt sich für Großkonzerne und politisch motivierte Kampagnen einspannen zu lassen. 

So wurde er dazu befragt, wieso er für eine digitale Öffentlichkeit plädiert und den Umgang Googles mit der deutschen Privatsphäre für unbedenklich halte. Er begründete dies mit einer durch die Medien verursachten Hysterie, schliesslich sei das Projekt doch auch ganz nützlich und gefällt dann auch vielen die jetzt meckern. Die Eingangsfrage der Moderatorin, warum seiner Meinung nach die anderen Länder wie Frankreich oder GB sich einfach mit Google arrangiert hätten und woran es liegen könnte, dass die Deutschen sich da jetzt zickig haben, kann er auch nicht eines Experten würdig beantworten.

Im Gegenteil, anstatt auf die Idee zu kommen, dass die Deutschen einfach kritischer sind und nicht oberflächlich alles adaptieren nur weil ein Konzern mit zweifelhaften Diensten daherkommt, ist er der Meinung: "Die Deutschen glauben als Privatpersonen darüber entscheiden zu können, was in der Öffentlichkeit passieren darf".

Mit dieser stating-the-obvious Argumentation gräbt er sich dann auch selbst seine Expertise ab. Natürlich entscheidet das Volk darüber, was in seinem öffentlichen Raum passiert, wir leben schliesslich in einer Demokratie, wenn auch nicht in einer direkten.

Garniert wird das Trauerspiel mit der abschließenden Aussage "es gibt schließlich wichtigere Themen.." - ist es nicht das Eingeständnis völliger Argumentationsunfähigkeit, wenn man Nebenschauplätze eröffnet? Man hatte streckenweise das Gefühl, dass er den Fragen der Moderatorin nicht gewachsen war.

Und ganz nebenbei, welche Themen (ausgenommen Katastrophen) sollen denn wichtiger sein, als die Privatwirtschaft mal wieder in ihre Schranken zu weisen?

Mal ehrlich, es gibt sicherlich genug Blogger oder Internetspezialisten, die auch von Dotcom profitiert haben (um beide Seiten zu repräsentieren) und sich trotzdem nicht so billig vor den Karren eines Konzerns ebendieser Branche spannen lassen.

Traurig nur, dass diese Meinung jetzt in der realen Welt als "Konsens der Internetgemeinde" gilt, nur weil ein flippig aussehender Medien-Entrepreneur sich als Fürsprecher dieser ausgegeben hat.

Anstatt hier eine wirkliche Expertenmeinung einzuholen, entblödet sich die Tagesschau mal wieder, diejenigen reden zu lassen, die erst nachher anfangen zu denken.

 

Das Video kann man auf den Seiten der Tagesschau mit dem Titel "Internetexperte Lobo kritisiert.." begutachten.

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1 Kommentar 17.8.10 17:39, kommentieren

Warum Wikileaks?

Wovon geht eigentlich die Faszination am Projekt Wikileaks und seiner Gruppe unerschrockener Betreiber und Unterstützer aus?

Diese Frage können zwar alle "Netzpolitiker" gleich beantworten, nämlich "pure Authentizität, Integrität, Tiefgründigkeit..", eben all die Attribute welche einem beim täglichen Betrachten der Nachrichtenlage fehlen und die sich der Hacker auch gern zuschreibt und zu leben versucht.

Wie konnte aber dieses Projekt, was nicht erst seit Apache und Wardiary existiert, innerhalb kürzester Zeit auch die kommerzielle, öffentliche Nachrichtensperre zur realen Welt überwinden und dort Menschen begeistern, die sonst einfach "keine Zeit haben für Politik"?

Klar, für uns aus der Netzgemeinde ist es einfach, logisch und nur konsequent, Wikileaks zu lieben, zu unterstützen und zu hoffen, dass es sich zu wahrer Größe aufschwingt - wenn es dies nicht schon längst getan hat.

Dass eine Sache, nur weil sie Gutes tut aber letztlich auch die Anerkennnung bekommt, die sie verdient - und damit ist hier nun die Anerkennung in der nicht vernetzten Welt gemeint - ist und war nicht selbstverständlich, leider sogar unüblich. Oftmals erhalten wohltätige Projekte mit etwas Glück auch eine kurze Aufmerksamkeit in der etablierten Presse, jedoch sind sie ebensoschnell wieder vergessen.

Das liegt nicht daran, dass die Menschen aus der "realen Welt" diese Projekte für weniger ehrenwert halten. Im Gegenteil, viele von ihnen wird das kurze Aufblitzen eines Phänomens aus der mysteriösen Netzwelt faszinieren, einige soweit beflügeln, dass sie sich dieser verschreiben und fortan den selben "informativen Pfad" nehmen, wie so viele vor ihnen und unter uns.

Der Großteil der Bevölkerung kommt aber wahrscheinlich pro Woche nur auf einige Minuten, in denen er mehr oder minder freiwillig "benachrichtet" wird, entsprechend gering ist dann auch die Selektivität dieser Medien.

Warum nicht freiwillig? Nun, selbst ich möchte mich nicht davon ausnehmen, gelegentlich keine Lust auf Tiefgründigkeit, Konsens, Kommunikation und Co. zu haben, damit geht dann auch die Motivation zur Selektion baden.

Man stelle sich vor wie ein solcher Tag abläuft: Aufstehen, Zähnenputzen, dabei etwas Radio im Hintergrund. Es juckt mich aber heute mal nicht, dass dort nur der nervige überregionale Freddy-und-die-Morgenmädels-was-stört-es-mich-wenn-die-Welt-schlecht-ist-davon-bekommt-man-nur-schlechte-Laune-und-verstehen-tu-ich-diese-Sachen-sowieso-nicht-Einheitsbrei runtergeleiert wird, denn ich habe heut schlechte Laune.

Dasselbe im Auto auf dem Weg zur Arbeit, und viel schlimmer kommts dann auf der Arbeit. Hier habe ich nämlich nicht mal mehr Einfluss auf den Sender, denn meine Kollegen finden das witzig und nicht so "langweilig" wie Deutschlandfunk.

Dementsprechend sind auch die Nachrichten gestrickt, die ich kurzerhand mit einem Anflug von Freude erhasche. Die offensichtliche Hofberichterstattung lokaler und überregionaler Politik, Auslassung von relevanten globalen Hemmschuhen und nicht mal der Versuch einer subtilen Wertung des Geschehens - all das würde mich sonst aufregen.

Am Ende dieses Tages erwische ich Zuhause meine Freundin beim Betrachten eines Hartz-IV-TV-Senders. Da mir heut alles egal ist, rieseln auch noch einige Minuten Promi-News in mein müdes Gehirn.

Erschöpft von diesem Tag hatte ich einen kleinen Einblick, wie es vielen Menschen geht, die sich von der täglichen Routine und ihrem eigentlichen Leben so sehr vereinnahmen lassen, dass unabhängige Informationen nur noch einen geringen Stellenwert haben.

Es spricht ja auch nichts dagegen, sich vom Leben voll und ganz vereinnahmen zu lassen, schliesslich ist es das schönste Glück, sich um Familie, Kinder und Lebensplanung zu arrangieren. Zumindest, wenn man damit leben kann, dass die Abkehr vom weiten Horizont hin zum persönlichen Kleinod als Lebensentwurf moralisch nicht ganz einwandfrei ist.

Wenn nämlich jeder so denken würde.. wir kennen den Spruch aus Kindertagen, und wussten leider auch damals schon, dass er bitterernste Wahrheit ist. Jedoch ist es kein Leichtes, sich schlagartig für viele Dinge zu interessieren, nur weil man bemerkt hat, dass man an der Welt vorbeilebt.

Die Erkenntnis ist höchst rühmlich, jedoch muss es für den Otto-Normal-Medienkonsumenten mehr als ein triggerndes Aufblitzen geben, damit sich eine andauernde Bewunderung für Assange und seine Gesellen im Dschungelcamp-verödeten Arbeiterhirn einbrennt.

Es muss wahrlich geschichtsträchtige Enthüllungen geben, sie müssen (leider) den (Otto-Normal-)Konsens der Zeit treffen und sie müssen regelmäßig in den etablierten Medien wieder aufgegriffen und mehrfach neu ausgewalzt werden.

Schafft es ein noch so herausragendes Projekt mit ebenso edlen Motiven und massenweise Mitarbeitern nicht, diese Bedingungen zu erfüllen, so versinkt es wieder in der Diskussionsecke der Webgemeinde und verpasst den Ritterschlag durch die Massenwirkung.

Hätte Wikileaks nicht die medienwirksamen Apache-Videos oder die Afghanistan-Dokumente veröffentlicht, niemand in der Web-fernen Gemeinde wüsste heut wer Julian Assange ist.

Und so zeigt sich, Gutes tun allein reicht nicht, Go for it lautet die Devise. Ohne einen gepflegten Medienhype durch reisserische Veröffentlichungen und direktes Anlegen mit einem hollywoodreifen Geheimdienst wird man auch als Robin Hood heute nicht mehr ernst genommen.

Das mag jetzt so klingen, als würde ich damit den Aufstieg Wikileaks abwertend beurteilen. Mitnichten. Es gibt kein anders Mittel als GO FOR IT für die Guten, denn der Teufel scheisst immer noch den größten Haufen.

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2 Kommentare 17.8.10 02:37, kommentieren

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